Dieses Plakat habe ich in der S-bahn gesehen und habe die Werbebotschaft kurz in mich aufgesaugt. Ich habe gedacht, ja klar, wenn sich eine Erkältung anbahnt, sofort drauf mit allen möglichen Mitteln.
Die Wortwahl, wenn es um Krankheit geht, vermittelt uns, dass wir gegen sie kämpfen müssen. Wir müssen die Krankheit abwehren, wenn sie im Anmarsch ist. Sie muss bekämpft und eingedämmt werden. Nieder mit der Krankheit, der Körper ist nur in Ordnung, wenn er sich wie gewünscht verhält. Wenn der Kopf weh tut, uns eine Magenverstimmung zu schaffen macht oder der Nacken schmerzt, so ist das nicht gut. Der Körper hat zu funktionieren, er soll nicht denken und schon gar nicht soll er sich zu Wort melden und uns in unser Leben hineinpfuschen.
Ich habe in dem Buch von Alan Carr („Endlich Nichtraucher”) gelesen, dass man sich als Raucher die meisten Sorgen machen sollte, wenn man nicht mehr hustet, da sich der Körper dann nicht mehr gegen die Giftstoffe, die man ihm täglich (stündlich, minütlich) zuführt, wehrt. Ist es nicht dasselbe mit den Krankheiten und kleinen Zimperlein? Ich höre mittlerweile sehr genau hin, wenn man Körper spricht. Ab und an sagt er mir mit Nackenschmerzen, dass ich mir vielleicht zu viel aufgebürdet habe. Dann mache ich ein wenig langsamer, nehme mir einen Tag frei und eine Badewanne. Und ich schreibe mir die Dinge, die mich beschäftigen von der Seele. Doche die Werbung will uns einreden, dass der Körper nicht das Recht hat, auf eine Schieflage hinzuweisen. Beruhigungsmittel in Form von Medikamenten, um die Symptome und die überlaute Stimme des Körpers abzudämpfen. Denn wer krank ist, mit dem stimmt etwas nicht. Wer würde schon zugeben oder sich selbst eingestehen, dass die Magenkrämpfe, die ihn seit Wochen plagen, mit der nicht zufriedenstellenden Beziehung oder einer schwierigen Jobsituation zusammenhängen?!
Das ist alles nichts Neues, und dennoch verdrängen wir es tagtäglich. Denkt doch mal über die Bedeutung von folgenden Sätzen nach:
„Das ist zum Kotzen.”
„Etwas dreht jemandem den Magen um.”
„Einen dicken Hals haben.”
„Die Nase voll haben von etwas.”
Aber auch:
„Schmetterlinge im Bauch haben.”
„Durch das Zimmer schweben.”
Was will ich sagen? Der Körper hat seine ganz eigene Intelligenz, die meist viel eher auf etwas hinweist, als unserem Selbst bewusst ist. Wie schnell hat man eine Aspirin geschluckt? Vielleicht wäre aber ein Blick in die Welt hinter den eigenen Augen hilfreicher…
