Die Freiheit des Nichtsahnenden
12 Dezember 2007 von Benno
Feierabend! Feierabend? Dieses Wort habe ich lange nicht in den Mund genommen. In Wahrheit kann ich mich nicht erinnern, es benutzt zu haben seit ich selbständig bin. Wieso sollte ich den Abend feiern? Er zeigt mir nur, dass der Tag bald um ist. Die Berge der unerledigten Dinge liegen im Halbdunkel, wenigstens das ist ein Trost.
Manchmal sehne ich mich für eine kleine Weile wieder zurück in die Zeiten, in denen ich das Büro verlassen habe und mit dem Schließen der Tür der Duft der Freiheit meine Nase umzirkelte. Abgesehen davon, dass ich seit ca. 6 Jahren in einem Homeoffice arbeite und ich die Bürotür nicht wirklich zumachen kann, war dieser seelige Zustand sehr selten in der Selbständigkeit. Dabei ist doch gerade das der Punkt, den jeder Angestellte mit einem träumerisch verklärten Blick immer wieder anführt. “Du kannst Dir wenigstens deine Zeit frei einteilen!” - Da muss ich lachen. In gewissem Sinne stimmt das, ja, ich kann mal ein paar Stunden nicht arbeiten, wenn ich mag. Aber “frei” bin ich dabei beileibe nicht. Denn eine kleine Stimme in meinem Hinterkopf erinnert mich unbarmherzig daran, dass meine Arbeit sich nicht von selbst erledigt, sondern auf mich wartet, geduldig und wachsend. “Heute mache ich mal blau, hole mir einen gelben Schein vom Doktor und bleibe den ganzen Tag im Bett.” Das hört sich auch prima an, doch wer verdient in der Zeit das Geld für die Miete? Ihr merkt also, der Körper mag gerade in der Sonne liegen oder einen Kaffee in der Stadt trinken, doch der Kopf arbeitet permanent - ohne freie Zeiteinteilung. Das hält fit, wirkliche Freiheit wäre für mich allerdings die Arbeit hinter einer Tür zurücklassen zu können …
Benno, das ist einfach klasse auf den Punkt gebracht! Nur habe ich den Eindruck, der Gedankengang bricht mittendrin ab … vielleicht magst Du ihn weiterfühen?
Die Frage ist natürlich: Wie bekommt man den Kopf frei? Dazu werde ich später wahrscheinlich noch ein paar Worte verlieren